against the grain

a living berlin wall memorial on the former death strip

english

Like a good bottle of whiskey, memories ripen and change with time. The things we experienced years or even decades ago grow deeper, distilled and more complex, sharpened by the emotional connections they elicit. Yet the full, vivid details we can remember of our first day of school or our first heartbreak can be deceiving. What happened long ago is not black and white, but many shades of grey—mercurial, at the whim of the mood of the moment. Nothing is set in stone, least of all our past.

To create one of the city’s most animate and dynamic historic memorials, artist Michael Spengler has been planting rye seeds on a section of the former Berlin Wall’s death strip. Every spring for the past six years, this once-barren land next to Bernauer Straße’s Chapel of Reconciliation has sprung a lush field of swaying grain.

Harvested in July, the rye is given to visitors in exchange for a donation and used to bake the wafers and bread used in the chapel’s ceremonies—living testament to the vital nature of the city’s memories.

[Image: The rye field, by Laura Vanselow]

deutsch

Erinnerungen sind wie guter Whiskey, sie werden nach und nach immer besser. Die Bilder all dessen, was wir vor Jahren und Jahrzehnten erlebt haben, reichen mit der Zeit immer tiefer in uns hinein, werden reiner und reicher durch die Gefühle, die wir mit ihnen verbinden. Aber so lebhaft die Erinnerung an unseren ersten Schultag oder unsere erste große unglückliche Liebe in manchen Momenten auch sein mag – sie kann uns gleichzeitig trügen. Wie unser Gedächtnis unsere Vergangenheit in Szene setzt, hängt vom jeweiligen Augenblick ab. Mnemosyne ist launisch. Und so ist unsere Vergangenheit alles andere als in Stein gemeißelt.

Eines der lebendigsten historischen Denkmäler der Stadt hat sich der Künstler Michael Spengler ausgedacht. Vor sechs Jahren bereits säte er in einem Bereich des ehemaligen Todesstreifens der Berliner Mauer Roggen aus.

Seitdem ergrünt das frühere Ödland unweit der Kapelle der Versöhnung in der Bernauer Straße jeden Frühling zu einem sich wiegenden Roggenfeld. Nach der Ernte im Juli wird das Getreide gegen Spenden an Besucher verteilt und zum Backen des Brotes und der Oblaten für die Gottesdienste in der Kapelle verwendet. Lebendig gewordene Erinnerung – im wahrsten Sinne des Wortes.

[Bild: Roggenfeld, von Laura Vanselow]

Kapelle der Versöhnung

Chapel open Tues.-Sun. 10.00 - 17.00 | Bernauer Str. 4 | kapelle-versoehnung.de